Ein Realitäts-Check

Gastbeitrag vom Verband der deutschen Lederindustrie (VDL)

Dass Leder vom Tier stammt, bedeutet für manche Verbraucher ein „no go“. Fälschlicherweise wird verbreitet, dass Tiere nur zur Lederherstellung gehalten werden, dass sie gequält werden oder dass die Lederproduktion ein Grund für die Zerstörung der Regenwälder ist. Das führt dazu, dass Unternehmen wie die Prada-Gruppe Känguruleder nicht mehr verwenden und Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Mulberry exotische Leder aus ihren Kollektionen streichen. Bestimmte Gruppen argumentieren sogar, man könne das Leben von Tieren retten, wenn man aufhört, Leder zu kaufen.

go vegan Demo

Die Realität sieht anders aus. Fast alle Häute und Felle stammen von Tieren, die für Fleisch, Milch und Wolle gehalten und geschlachtet wurden. Die Häute und Felle fallen eigentlich als Abfall an. Die von Prada verbannten Kängurufelle stammen von Tieren, die zum Schutz von gefährdetem Grasland und Wildtieren getötet wurden. Lediglich die so genannten „Exoten“, eine im Verhältnis sehr geringe Menge, werden nur wegen des Leders aufgezogen. Auch hier gibt es nicht nur schwarz und weiß. Die Nachfrage nach Exotenleder sichert den Erhalt von bedrohten Arten, Lebensräumen und Kulturen und schafft Arbeitsplätze und Einkommen für die Ureinwohner.

Im richtigen Leben bedeutet der Verzicht auf Leder eben nicht, dass die Schlachtung der Tiere verhindert wird. 2019 hatten zwei der größten Produzenten, Brasilien und die USA, ihr bestes bzw. zweitbestes Jahr beim Export von Fleisch. Der Fleischkonsum nahm zu. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Leder und somit wurden fast 20 % der anfallenden Häute einfach weggeworfen.

Die Känguruschlachtungen in Australien beruhen nicht auf der Nachfrage nach Leder und werden auch dann fortgesetzt, wenn es keinen Markt für diese Felle gibt. Bei einigen exotischen Tierarten, bei denen die Nachfrage nach ihren Häuten einen Mehrwert für die Erhaltung dieser Tiere und ihrer Lebensräume bedeutet, birgt ein Stopp der Lederproduktion die Gefahr, dass aus „wertvollen Produkten“ nun unerwünschte Schädlinge werden. Die Krokodile der australischen Northern Territories wurden fast vollständig ausgerottet, bevor ihre Häute und Lebensräume wertvoll wurden. Nimmt man ihnen diesen Wert, werden sie erneut in Gefahr geraten. Das ist der Grund, warum sich die IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur) gegen die Entscheidung von Chanel aussprach, Reptilienleder aus ihren Kollektionen zu streichen.

Plastikmüll am Strand

Die Wirklichkeit ist, der Verzicht auf Leder verhindert nicht die Schlachtung von Tieren, sondern fördert nur den Ersatz durch andere Materialien. Das wären mit hoher Wahrscheinlichkeit Kunststoffe, hergestellt aus fossilen Rohstoffen, für schnelllebige Produkte, die nach einem kurzen Benutzen weggeworfen werden und unseren Planeten für lange Zeit verschmutzen. Für pflanzliche Alternativen zu Leder wird stark geworben. Allerdings zeigt sich in der Realität, dass keine dieser Alternativen auch nur annähernd in den Mengen verfügbar ist, die für den Ersatz von Leder nötig wären. Außerdem kommen viele der Alternativen nicht ohne Kunststoff aus, was sie bestenfalls zu einer Lösung mit Fehler macht. Leder ist dagegen aus einem nachwachsenden, nachhaltigen Rohstoff, den man zu einem langlebigen Produkt gemacht hat, das sich nach der Entsorgung abbaut.

In der Wirklichkeit essen die meisten Menschen noch immer Fleisch. Dies bedeutet Millionen von Tonnen an Häuten und Fellen. Und wenn uns die schrecklichen Auswirkungen bestimmter alternativer Materialien noch sichtbarer werden, dann ist die einzig logische, ethische und nachhaltige Entscheidung die Entscheidung für Leder.

Grafik Leder Umweltverschmutzung